“mini Decki” ist 2 Jahre alt – happy birthday!


Mit diesem Post hat heute vor 2 Jahren alles begonnen. Ich liess mich berühren von den ganzen schrecklichen Nachrichten der damaligen Welt. Ich wollte nicht länger zuschauen und warten, bis jemand etwas tut, denn ich wusste ich bin gemeint, in diesem Lied, das mich einige Wochen vor dem besagten 18. Dezember 2014 so getroffen hat.

Ich habe mir (glücklicherweise) das grosse Ausmass des Projektes nicht in meinen kühnsten Träumen ausgemalt – natürlich hätte ich gesagt, das geht auf keinen Fall, ich habe 3 Buben, der Jüngste noch die ganze Zeit zu Hause und auch sonst… Wir haben nicht oft ganz ruhiges Gewässer auf unserer Familienfahrt. Es war mir nicht langweilig und ich habe mir gerade in dieser Zeit sehr ausführlich Gedanken darüber gemacht, ob ich eventuell wieder ganz ganz wenig arbeiten gehen soll, ob ich das mit meinem Familienalltag wie er ist unter einen Hut bringe, zumal ich nicht immer sehr belastbar bin… mega chaotisch noch dazu…!

Wenn also damals jemand gefragt hätte, ob ich so ein Projekt übernehmen wollte, hätte ich gesagt “ou nei, danke vielmals…!”

Aber es hat niemand gefragt. Ich hatte von Anfang an die ganz tiefe Überzeugung und Motivation, dass das mein Weg ist und dass ich da jetzt Schritt für Schritt mal losgehe. Das hat sich, auch nach 2 Jahren der “Wanderung” nicht geändert.

Zirka nach einem halben Jahr auf dem “mini Decki”-Weg merkte ich, wie viel Raum dieses Projekt in unserer Familie und in unserem Haus einnimmt. Manchmal ertrankt ich fast darin. Da hatte ich eines Nachts einen Traum. Ich sei schwanger und es käme da nochmals ein Kind. Es war für mich schon im Traum klar, dass es ein anderes Kind ist, nicht eines wie die anderen Buben. Als ich erwachte, war es mir sofort klar, dass das dieses Projekt ist. Es ist wie ein 4. Kind – aber es ist auch wie ein 4. Kind. Sofort war mir bewusst, dass ich auch bei den anderen 3 Kindern manchmal sage: “schau, jetzt musst du warten, jetzt bin ich mit Kind Nummer 2 beschäftigt, danach komme ich zu dir” und wenn dieses 4. Kind auch ein Kind in dieser Reihe ist, kommt es halt auch dann an die Reihe, wenn die Reihe an ihm ist.

So habe das Projekt angenommen wie ein viertes Kind. Es hat mich am Anfang viele fast schlaflose Nächte gekostet, wenn es geweint hat und sich beklagt hat, war ich ratlos, fühlte mich angegriffen und wollte, dass es schnell wieder ruhig ist, es hatte einen Platz in unserer Familie eingenommen. Am Anfang wie ein Neugeborenes – sein Platz war riesig. Das war für alle anderen Familienmitglieder manchmal schwer. Die Buben haben manchmal gefragt, wann denn das mit den Decken wieder aufhört. Gleichzeitig waren sie mächtig stolz und interessiert an der ganzen Thematik.

Inzwischen, nach zwei Jahren ist dieses “mini Decki”-Kind schon recht selbständig. Es hat ein eigenes Zimmer bekommen, das ist für alle eine riesige Entlastung. Ich arbeite dann am Projekt wenn es passt und wenn ich nach Hause gehe, mache ich die Türe zu und bin zu Hause, meistens ohne das “mini Decki”-Kind.

Ein bekanntes afrikanisches Sprichwort heisst “um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf”. So ist es auch mit diesem Kind. Ohne euch alle, die ihr näht, erzählt, Stoffe sammelt, Geld spendet, fahrt, Decken verteilt, eure Institutionen instruiert und uns so wohlwollend unterstützt, wäre dieses Kind nie und nimmer was es heute ist.

In den letzten 2 Jahren wurden rund 10’000(!!) Decken verteilt. Der grösste Teil der Decken wurden in der Schweiz von den kantonalen Durchgangszentren, von Mütter-und Väterberaterinnen und von Hebammen verteilt. Dann haben wir vor allem im letzten halben Jahr, viele Decken von der mittleren und kleinen Grösse mit Transporten für schweizer Hilfsorganisationen (Standup for Refugees, SAO, Schwizerchrüz.ch, Help Syria) in die Krisengebiete vor Ort geschickt. Es ist mir ein grosses Anliegen, dass die Decken nicht bei uns im Lager warten, bis wieder vermehrt Familien mit Kindern den Weg in der Schweiz ankommen.

So bleibt mir vor allem anderen DANKE zu sagen. Ihr alle seid wunderbar! Danke für euren unermüdlichen Einsatz.

Danke Brigitte, danke Claudia und danke an meine ganze Familie. Ohne euch wäre ich in dieser Hinsicht ganz oft verloren, ihr seid super!