Ein Bericht von einer grossen Übergabetour


Letzte Woche fuhren mein Vater und Susanne, Deckennäherin seit den ersten Stunden, eine riesen Tour durch die Schweiz. Der Transporter war gefüllt mit praktisch allen Decken, die ich noch an Lager hatte. Ich bat Susanne, einen Bericht über den Tag zu schreiben:

 

Nachdem ich nun während bald drei Jahren beim Nähen der Kinderdecken mitmache und mir dabei immer wieder vorstelle, wie sich die kleinen und grösseren Kinder in ihre bunte Decke kuscheln, konnte ich nun für einmal einen Transport der wertvollen Stücke an ihr Ziel begleiten.

Wir waren zu zweit einen Tag lang mit einem Lieferwagen unterwegs. Die erste Lieferung war für ein Zentrum im Aargau bestimmt, danach gings hinauf zu den solothurnischen Jurahöhen in eine abgelegene Auffangstation für Flüchtlinge. Wir hatten von dort einen herrlichen Blick ins Mittelland: Dass wir in einem so schönen Land leben dürfen, soll uns doch in erster Linie dankbar stimmen! Es waren nur wenige Kisten zum Abladen, und so ging die Reise gleich weiter, ohne dass wir vielen Menschen begegnet wären.

Das nächste Ziel war im Kanton Jura. Zuerst mussten wir den Jurasüdfuss entlang fahren, um erneut in höher gelegenes Gebiet zu gelangen. Und dann ging es darum, unsere Zungen auf die französische Sprache umzubiegen. Wir trafen ein junges Büroteam, das gleich die erste Kiste öffnete und begeistert den farbigen Inhalt betrachtete. Uns wurde ein Kaffee offeriert, und dabei kamen wir in ein angeregtes Gespräch – jedenfalls als wir auf Englisch umstellen konnten, weil uns unser Schulfranzösisch doch etwas im Stich liess. Im Treppenhaus war ein Kommen und Gehen, und ich traf scheue Frauen und etwas verängstigt dreinblickende Kinder. Ach, da möchte man wirklich Freude hinbringen!

Die Reise führte uns weiter westwärts. Es war mittlerweile Mittagszeit, und so hielten wir am Bielersee an, um uns mit einer Mahlzeit zu stärken. Dann auf zum neuen Ziel, das am Genfersee lag! Problemlos fanden wir das grosse Gelände und wurden vom Personal freundlich empfangen. Diesmal ausschliesslich en français! Doch siehe da, unsere Zungen machten schon ein bisschen besser mit! Sofort wurden junge Männer zum Helfen aufgeboten. Denn nun ging es ums Ganze! Einige hundert Decken liessen wir dort. Haben Sie denn so viele Kinder hier? war unsere Frage. Ja, bald werden es sehr viele sein – beaucoup, beaucoup d’enfants! Auch hier herrschte grosse Begeisterung und Dankbarkeit: C’est pour Noël, des cadeaux pour tous ces enfants!

Beglückt traten wir die Rückreise an. Noch mussten wir in der Nähe von Bern ein Palette Verpackungsmaterial abholen, bevor wir uns beim Einnachten auf den definitiven Heimweg machen konnten. Müde aber befriedigt von diesem Tag wurde ich zu Hause abgeladen, erfüllt von Gedanken an einen sinnvollen und geglückten Versuch, entwurzelten Kindern ein Stück Geborgenheit und Heimat zu schenken.

 

Liebe Susanne, ich danke dir von Herzen für deinen Bericht! Genau am Tag eurer Reise erreichte mich eine weitere Bestellung aus dem Kanton Genf. Weil mein Lager leer ist, musste ich sie etwas vertrösten. Darum meine grosse Bitte an euch alle: Bitte näht wieder und weiter! Wir brauchen von allen Grössen wieder Decken!

Ich wünsche euch allen eine gute Vorweihnachtszeit. Lasst euch nicht stressen und haltet immer mal wieder inne!