
Ein Stück Geborgenheit, wenn nichts mehr vertraut ist
10. August 2026
Wir suchen Verstärkung für unser Kernteam
23. September 2026Vor mehr als elf Jahren besuchte unser ältester Sohn die erste Klasse, der zweite den ersten Kindergarten, und der jüngste war gerade zweieinhalb Jahre alt. In unserem Haus war immer etwas los: laut, wild, bunt – manchmal fast ein bisschen zu viel für mich. Das Mama-Sein prägte damals meinen Alltag. Ich war zu Hause, nähte zwischendurch kleine Projekte, die schnell fertig wurden und zugleich praktisch waren. So entstanden Decken für unsere Jungs, für das Sofa und für unsere Betten. Diese Arbeit machte mir grosse Freude.
Als wir irgendwann bestens mit Decken versorgt waren, stellte sich mir die Frage, wer sonst noch eine solche Decke brauchen könnte. In dieser Zeit las ich von den Booten auf dem Mittelmeer. Von hochschwangeren Frauen, Eltern mit kleinen Kindern, allein reisenden Kindern sowie alten und jungen Menschen, die die gefährliche Überfahrt als die bessere Option betrachteten als das Leben, das sie zurücklassen mussten. Diese Geschichten bewegten mich tief und berührten mein Herz.
Dazu kam ein Lied, in dem ein Mann Gott fragt, ob er das Elend auf dieser Welt denn nicht sehe und warum er nichts dagegen unternehme. Die Antwort lautet: «Ich habe nicht nichts gemacht. Ich habe dich gemacht.» Dieser Gedanke liess mich nicht mehr los. Natürlich war ich viel zu sehr in meinen Alltag eingebunden und viel zu klein, um die Welt zu retten. Aber ich konnte an dem Ort, an dem ich war, mit den Ressourcen, die mir zur Verfügung standen, kleine Schritte tun. Dass daraus einmal ein grosser Karren werden würde, wusste ich damals zum Glück noch nicht.
Aus der kleinen Idee, selbst genähte Decken an Kinder zu verschenken, die mit nichts in der Schweiz ankommen, wurde erstaunlich schnell etwas Grösseres. 2015 war ein Jahr, in dem zahlreiche Initiativen und Organisationen entstanden, die geflüchtete Menschen unterstützten. Das Thema war in den Medien präsent, viele Menschen nähten bei uns mit und erzählten anderen davon. In dieser Zeit durfte ich viele wunderbare Menschen kennenlernen.
Ich habe erlebt, dass nachhaltige Freiwilligenarbeit immer eine Win-win-Situation ist, weil sie sowohl die Menschen bereichert, die geben, als auch jene, die empfangen. Ich habe gesehen, was aus einem kleinen Samenkorn entstehen kann, wenn man es pflegt und ihm Zeit zum Wachsen gibt. Und so blicke ich heute mit grosser Freude und auch etwas Stolz auf diesen grossen «mini Decki»-Baum mit seinen vielen Ästen, unter dessen Schatten und Geborgenheit so viele Menschen Platz finden.
Nun ist mein ältester Sohn in der RS und mein Jüngster im letzten Schuljahr. An den Kindern wird sichtbar, wie schnell die Zeit vergeht. Und wie man sich denken kann, hat sich in diesen Jahren auch mein eigenes Leben verändert. Die prägendste Facette meines Alltags ist heute nicht mehr das Mama-Sein. Seit einem Jahr arbeite ich zu 70 Prozent als Sozialpädagogin. Damit bin ich in einen Arbeitsplan eingebunden und kann meine Zeit nicht mehr so frei einteilen wie früher.
Das hat dazu geführt, dass ich die Arbeit für «mini Decki» nicht mehr in dem Umfang und auf die Art leisten kann, wie ich es gerne möchte und wie ich glaube, dass es für die Organisation gut wäre. Deshalb habe ich mich entschieden, die operative Verantwortung abzugeben.
Oder anders gesagt: Ich ziehe ins Stöckli.
So wie früher die Grosseltern auf dem Bauernhof. Ich bin weiterhin da, springe ein, wenn es nötig ist, freue mich an der «mini Decki»-Familie und verfolge mit Begeisterung die Entwicklung meines inzwischen erwachsenen Babys.
Gemeinsam im Vorstand werden wir nun die nächsten Schritte planen und überlegen, was es für meine Nachfolge im Ressort Produktion und Logistik braucht. Wenn du Freude am Vernetzen hast und dir vorstellen kannst, bei «mini Decki» Verantwortung zu übernehmen, freuen wir uns schon jetzt über deine Kontaktaufnahme.
«mini Decki» bleibt mein Baby – auch wenn es mittlerweile erwachsen geworden ist und seinen eigenen Weg geht. Ich bin dankbar, weiterhin Teil dieser Geschichte zu sein, bei den Familienfesten dabei zu sein und voller Staunen zu beobachten, wohin die Reise noch führt.

16 Comments
Ja,, ich habe da auch mitgemacht. Unterdessen bin ich 94 Jahre alt geworden und muss nun aufhören bei der 899ten Decke. Es hat mir viel Freude gebracht und ich danke Simone, dass sie minidecki ins Leben gerufen hat.
Liebe Marlen, wow!! 899 Decken! Danke für alles, ich freue mich, dich getroffen zu haben! Liebi Grüess Simone
Liebe Simone
Es ist so wunderbar und auch grossartig und herzlich wie Du das alles bewältigst und ein tiefes Danken erfüllt meine Gedanken an Dich.
Mit dem Nähen habe ich die gleichen Gedanken wie bei Dir und auch mir erfüllt dieses Tun von ganzem Herzen.
Ich wünsche Dir alles Gute und Freude in Deinem Beruf und bin überzeugt, sie werden alle gut behütet werden mit Dir.
Alles Liebe Dora 🧵♥️🧵
Danke, liebe Dora für dein Mittragen, Mitnähen und dein treues Dabeisein! Ich freue mich, haben sich unsere Wege getroffen! Liebi Grüess Simone
Danke allne Beteiligte für dä grossi Effort! Mir dörfe sit emene Johr Deckene verteile. Sie löse viel Freud, Überraschig und Stuune us – öppis so schöns und Neus gschänkt uberz‘cho! A wen soll i mi in Zuekunft wende? Ei Muetter möchti gärn sälber nähen. Liebi Simone, wunderbar, was entstande isch! Du wirsch au als Sozialpädagogin e Säge sii! Be blessed Esther
Liebe Esther
Herzlichen Dank für deinen Beitrag und dein wunderbares Tun. Wir freuen uns sehr darüber. Die Mutter darf herzlich gerne mit Nähen starten – Anleitungen sind online unter “Mitwirken” ersichtlich. Fragen dürfen via info@minidecki.ch reinkommen und werden gern beantwortet vom mini Decki-Team. Da gehört natürlich auch immer noch Simone dazu… 😉
Herzlich, vo de Kathrin
So ein wunderbarer Text, liebe Simone! Hach, ich erinnere mich an die ersten Decken, die du genäht hast, als die Jungs klein waren. Und an eure Küche, in der das Leben nur so sprudelte.
Ich staune immer wieder – über die Anfänge des Projektes (bin immer wieder neu berührt), das Wachstum und jetzt auch deine Klarheit in dieser Phase.
Herzlichen Dank liebe Nicole für deine lieben Worte! Ja, das waren noch Zeiten :-). Es ist wunderbar zu sehen, wie diese Idee Frucht bringt!
Liebe Simone,
und alle HelferInnen und Helfer,
Ich gratuliere dir Simone
und allen die das Projekt unterstützen ganz herzlich.
Einfach wunderbar, einmalig und toll., was du/ihr verwirklicht habt und wieviel Freude ihr den Kindern damit macht.Grossartig!
Leider bin ich total unbegabt was das Nähen betrifft, aber ich bin eine grosse Bewundererin eurer Arbeit.
Herzlichst Monika Peter Rütihof
Liebe Monika, man ist bei “mini Decki” nicht nur dann eine grosse Hilfe wenn man nähen kann, sondern auch, wenn man von der Arbeit begeistert ist und davon freudig erzählt! Wir brauchen das Gesamtpaket von mittragenden Menschen – schön, bist du ein Teil davon!
Danke Simone für diese grossartige Arbeit und ich wünsche dir nur das Beste auf deinen Wegen.
LIebe Carolin, ganz herzlichen Dank, das wünsche ich dir auch!
Simone du wunderbare anreisserin und mitnehmerin! 🩵💙
Danke du Liebe!
Liebe Simone. Ich habe Deine ersten Decken miterlebt und finde es nach wie vor ein bemerkenswertes Projekt. Du hast grossartiges geschaffen und ich hoffe sehr, dass ein würdiger Nachfolger gefunden wird.
Dir und Deiner wunderbaren Familie wünsche ich das allerbeste. Herzlich Caroline
Das hoffe ich und glaube ich fest! Herzlichen Dank für deine lieben Wünsche! Das wünsche ich dir und euch auch!